remissierte Rekonvaleszenz (2. Nacht …)

… aus dem Leben eines verkorksten Hosentaschenphilosophen.

“Hat was. Ich weiß nur nicht was.”
“Nur etwas viel Plastik!”
“Wie kommst denn auf Plastik?”
Langsam entfernten sich die wiegenden Schritte einer Frau die mit ihrem Hund unterwegs war. Das Licht der Laterne schimmerte auf dem hellen Stoff der wellend nur knapp den Oberschenkel bedeckte.
“Wein aus Bechern, wirklich ne tolle Idee von dir. Dann schon lieber gleich aus der Flasche.”
“Nur zu, auch wenn der Alkoholgehalt deine Schweinchensäuche nicht desinfiziert.” Ich war fasziniert von den rhythmisch klingenden Schritten, die sich in die Stille der Nacht verloren.
“Das sind nur ganz normale Halsschmerzen. Ich glaub ich hab ne Wodkaallergie. Willst du noch nen Schluck?” Prent hielt mir die Weinflasche hin.
“Ja, aber mach mal den Becher richtig voll.”
Prent füllte den Becher randvoll.
“Zufrieden?”
“Ja. Weißt was mein Vermieter gestern zu mir gesagt hat?”
Ich machte eine kleine Pause.
“Wo hast den denn getroffen? Will er seine Miete?”.
“Keine Ahnung was der um die Uhrzeit im Haus macht. Er meinte ich sähe aus wie ein Pfund Lumpen.”
“So falsch liegt er da gar nicht.” Prent stieß mir den Ellebogen in die Seite, dass ich fast den Becher fallen gelassen hätte. Ein kleiner Schwall Wein spritze auf den Boden.
“Na prima! Die nächste Flasche zahlst du.”
“Sorry.”
Vom Wasser her kam ein milder Wind der mit einem sanften Rauschen in den Park blies. Die Luft roch frisch und klar mit unscheinbaren Nuancen an Algen, Diesel und verschütteten Wein. An der Kaimauer blieben zwei Frauen stehen, deren Beinkleid etwas länger war, als bei der Hundeliebhaberin von vorhin. Sie tuschelten und sahen herüber.
“Hast noch nen Becher?”
“Ne!” Prent starrte in die gleiche Richtung wie ich, zur Kaimauer.
“Schade, dann können wir sie nicht zum Trinken einladen; deine Schweinchenpest reicht mir schon. Kannst ja nicht mal nen Wein ohne zu kleckern einschenken.”
Mein Schuh verteilte die restliche Pfütze von dem Rebensaft.
“Wie kam denn dein Vermieter dazu?” erkundigte sich Prent während er noch immer starrend die Frauen fixierte.
“Keine Ahnung, vielleicht weil ich fast die ganze Nacht an dem Buch weiter geschrieben habe und Alkohol mich auf eine gewisse Weise inspiriert.” Ich sah seinen starrenden Blick und er blinzelte fast kaum. Ich drehte meinen Kopf, um mich zu vergewissern, dass es nicht an seiner Seuche lag. Von gegenüber kam ein Kichern und sie tuschelten fleißig weiter.
“Hey, die macht sich lustig über dich!”
“Weil …”
“Weil du nicht normal aus deinem Becher trinken kannst.” erwiderte Prent, der anscheinend gefallen an den Zweien oder wenigstens an einer der Beiden gefunden hatte.
“Wie sieht es aus. Hunger?”
“Ja, da hätte schon noch was Platz.”
“Dann schauen wir mal ob sie unsere Gesellschaft erwidern wollen.”
Ich leerte die Reste aus dem Plastikbecher und ging dann zu den Frauen. Im näher treten wurden sie immer jünger und ich wollte schon kehrt machen, allerdings tauchte dann ein schelmisches bis spöttisches Lächeln auf den Lippen einer der Frauen auf, was mich in gewisser Weise herausforderte.
“Guten Abend die Damen. Bitte entschuldigt mein Aussehen. Mein Freund und ich liegen schon seit nem halben Jahr in dem Park und saufen die Tankstelle da gegenüber in regelmäßigen Abständen leer.” ich deutete zu der Leuchtschrift bei der Straße.
“So!” sprach der spöttische Mund. Beide fingen wieder zu kichern an.
“Wollt ihr eure karitative Ader entdecken und mit zwei Obdachlosen essen gehen? Er hat schon viel durchmachen müssen.” Ich nickte zu Prent rüber.
“Warum sollten wir?” sprach meine Herausforderung.
“Weil ihr zwei hübsche Frauen seid und bekanntlich kommt doch die ganze Lieblichkeit von innen und so weiter … und weil ich Hunger habe … und ihr uns schon die ganze Zeit auslacht …”
“Tun wir doch gar nicht.” der spöttische Mund klang sanft.
“Dann beweist es mal!”
Die zwei sahen sich an und zweifelten noch etwas.
“Kommt schon, ich kenn da einen Laden da gibt es ganz leckere Burger!”
Irgendwie provozierten mich ihre Augen, als ich ihr ins Gesicht sah. Ich griff nach ihrer Hand und es fühlte sich vertraut an. Ich zog sie leicht in meine Richtung.
“Kommt schon. Prent braucht unbedingt was zum Essen, sonst kippt er gleich von der Bank.”
“Okay” sie nickten beide.
Gemeinsam machten wir uns auf den Weg und ich bemerkte, dass Prent noch immer starrte; jetzt allerdings aus den Augenwinkeln und zwar auf die andere.

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